Drei Angebote. Drei Zahlen. Kein Vergleich.
Sie holen drei Angebote für eine neue Website ein. Gut so. Aber dann liegen sie vor Ihnen: drei PDF-Dokumente, drei Summen, und keine zwei beschreiben dieselbe Leistung. Eines nennt “5 Seiten Webdesign”, ein anderes “komplettes Webprojekt inkl. SEO”, das dritte “individuelle Website nach Ihren Wünschen”. Was genau geliefert wird, steht in keinem davon.
Das ist kein Zufall. Webdesign-Angebote sind notorisch unvollständig, weil die Branche keine Norm kennt und weil Anbieter selten freiwillig beschreiben, was sie nicht liefern. Die Lücken, die Sie nicht sehen, sind teurer als die Zahlen, die Sie sehen.
Wenn Sie Webdesign-Angebote zum ersten Mal strukturiert vergleichen wollen, helfen keine Durchschnittspreise und keine Checklisten von der Stange. Was hilft: die richtigen Fragen, bevor Sie unterschreiben.
Was “Design” im Angebot bedeutet, und was es nicht bedeutet
Das fertige Endprodukt im Browser ist nicht dasselbe wie das Recht, es zu besitzen, zu verändern oder weiterzuverwenden. Viele Angebote beschreiben das Ergebnis, sagen aber nichts darüber, wem es gehört.
Nutzungsrechte. Das Urheberrecht an einem Designwerk verbleibt in Deutschland grundsätzlich beim Schöpfer, also beim Designer. Was Sie erwerben, ist ein Nutzungsrecht, und dessen Umfang definiert der Vertrag. Steht dort nichts, gilt das Mindeste: Sie dürfen die Website betreiben, aber nicht beliebig umgestalten, auf eine andere Agentur übertragen oder als Vorlage für ein Folgeprojekt nutzen. Fragen Sie also konkret: “Werden alle Nutzungsrechte am Design vollständig und unwiderruflich auf uns übertragen?” Die Antwort muss schriftlich kommen.
Quelldateien. Der Designer arbeitet in Figma, Sketch, Adobe XD oder Illustrator. Diese offenen Dateien sind das Rohmaterial, aus dem die Website entsteht. Liefert der Anbieter sie am Projektende, können Sie Änderungen selbst vornehmen oder mit jedem anderen Designer weiterarbeiten. Behält er sie, sind Sie dauerhaft an ihn gebunden. Die meisten Angebote schweigen dazu. Schweigen ist keine Zusage.
Schriftlizenzen: ein unterschätztes Risiko
Eine Website-Schrift ist kein freies Gut, nur weil sie auf der Website sichtbar ist. Kommerzielle Fonts haben Lizenzbedingungen, die genau regeln, für welche Nutzung, auf welchen Domains und in welchem Umfang sie verwendet werden dürfen.
Wird im Angebot nichts zur Lizenz gesagt, passiert häufig eines von zwei Dingen: Der Designer nutzt eine Schrift unter seiner eigenen Lizenz, die bei Projektübergabe nicht auf Sie übertragbar ist. Oder er setzt eine Schrift ein, für die schlicht keine gültige Lizenz besteht. Beides ist Ihr Problem nach dem Launch, nicht seines.
Fragen Sie, welche Schriften verwendet werden und welche Lizenz dafür vorgesehen ist. Wenn Google Fonts im Einsatz sind, klären Sie gleichzeitig die DSGVO-Konformität. Für deutsche Unternehmen mit Bezug zum deutschen Markt ist das keine akademische Frage; der Artikel zur DSGVO-Absicherung für deutsche Unternehmer in Spanien beschreibt, wo genau das schiefgehen kann.
Hosting, Domain, Zugänge: wer hält die Schlüssel?
Eine der häufigsten Fallen im Webdesign ist so simpel, dass sie kaum jemand im Vorfeld thematisiert: Wer hat nach dem Launch Zugang zu was?
Hosting-Zugänge, FTP-Daten, Datenbank-Credentials, den Domain-Registrar, das CMS-Backend, Google Analytics, die Search Console. Wenn der Anbieter diese Zugänge verwaltet und das Vertragsverhältnis endet, stehen Sie vor einer leeren Tür. Kein Zugang zum Server bedeutet: keine schnellen Korrekturen, keine Übergabe an einen neuen Dienstleister, kein Zugriff auf Ihre eigenen Daten.
Die Frage ist einfach: “Werden alle Zugänge vollständig an uns übergeben, und in welchem Format?” Wenn ein Anbieter auf diese Frage ausweicht oder antwortet, das laufe alles “über uns”, ist das eine Antwort.
Für professionelles Webdesign gilt als Mindeststandard: Sie erhalten alle Zugänge, alle Quelldateien und alle Dokumentationen am Projektende. Nicht auf Anfrage. Nicht gegen Aufpreis.
Erreichbarkeit nach dem Launch: der Teil, der im Angebot nie steht
Ein Angebot beschreibt den Weg bis zur Fertigstellung. Was danach kommt, steht dort selten. Genau das ist der Moment, in dem sich zeigt, wie ein Anbieter wirklich arbeitet.
Eine Website ist kein Printprodukt. Sie benötigt Aktualisierungen, Sicherheitsupdates, gelegentliche Anpassungen. Wer ist dann Ihr Ansprechpartner? Wie schnell antwortet er? Zu welchen Bedingungen wird nachgearbeitet?
Wenn das Angebot einen Freelancer benennt, der zwei Kontinente entfernt arbeitet, ist Erreichbarkeit eine andere Frage als bei einem Studio vor Ort. Das gilt besonders für deutsche Unternehmen, die in Spanien aktiv sind oder werden: der Ansprechpartner sollte beide Märkte kennen, beide Sprachen sprechen und in einem vertretbaren Zeitfenster antworten. Wie Sie herausfinden, ob ein Anbieter diese Anforderungen tatsächlich erfüllt, beschreibt der Artikel zu seriösen deutschsprachigen Webdesignern an der Costa Blanca mit konkreten Erkennungsmerkmalen.
Die Fragen, die den Vergleich erst möglich machen
Angebote vergleichen Sie nicht auf der Ebene von Zahlen, sondern auf der Ebene von Bedingungen. Hier sind die Fragen, die Sie jedem Anbieter stellen sollten, bevor Sie entscheiden:
- Werden alle Nutzungsrechte am Design vollständig auf uns übertragen?
- Erhalten wir die offenen Quelldateien (Figma, Adobe XD, Illustrator o. Ä.) am Projektende?
- Welche Schriften werden verwendet, und welche Lizenzen sind für unsere Nutzung abgedeckt?
- Wer verwaltet Hosting, Domain und CMS, und wie werden Zugänge übergeben?
- Wie ist der Ansprechpartner nach dem Launch erreichbar, und zu welchen Bedingungen?
Einige Anbieter werden diese Fragen als überzogen empfinden. Das ist ebenfalls eine Antwort.
Was ein vollständiges Angebot beschreibt
Ein gutes Angebot beschreibt nicht nur, was gebaut wird, sondern auch, was danach gilt. Es nennt die Rechte explizit. Es beschreibt den Übergabeprozess. Es klärt, welche Lizenzen enthalten sind und welche nicht. Es sagt, wer nach dem Launch erreichbar ist und wie.
Das ist kein Luxus und keine Überkomplexität. Das ist der Mindeststandard für eine Zusammenarbeit, bei der Sie am Ende nicht mit leeren Händen dastehen.
Ob Ihr Projekt darüber hinaus mehrsprachig angelegt werden sollte, also ob DE, ES und EN wirklich alle drei gebraucht werden, beantwortet der Artikel Brauchen Sie wirklich eine dreisprachige Website in Spanien? mit einem ehrlichen Blick auf den tatsächlichen Bedarf.
Wenn Sie ein konkretes Webprojekt planen und wissen möchten, was ein vollständiges Angebot in Ihrem Fall enthalten sollte, nehmen Sie Kontakt auf. Ich beantworte Fragen, bevor Sie entscheiden.